Wie wird eine Vorlesesituation so richtig gut?

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Das Allerwichtigste für das Vorlesen ist wohl, dass der oder die Vorlesende auf das, was er oder sie gerade tut, wirklich Lust hat. Erst dann, wenn wir selbst für das Lesen und die Geschichten in Büchern brennen, können wir zusammen mit Kindern aufrichtig und authentisch die Bücherwelt genießen und erkunden. Kinder werden uns das Lesen nachmachen, wenn sie spüren, wie wunderbar sich das Lesen für uns anfühlt. Sollten Sie selbst eigentlich keine Lust auf das Vorlesen haben, machen Sie lieber etwas anderes. Dann finden sich andere Menschen, die den Kindern vorlesen. Kommen Kinder aber von selbst auf Sie zu, weil sie bereits woanders Feuer gefangen haben, dann tun sie ihnen den Gefallen und lesen ihnen vor oder bitten die Kinder darum, Ihnen eine Geschichte zu erzählen oder vorzulesen.

Hier ein paar Dinge, die Sie noch berücksichtigen könnten (wenn Sie Lust haben):

In Beziehung sein. Während des Vorlesens stehen Sie mit den Kindern in enger Beziehung. Sie machen mit ihnen etwas im Hier und Jetzt gemeinsam. Es ist nicht so wichtig, ob Sie richtig und flüssig lesen, das verzeihen uns Kinder sofort. Viel wichtiger ist es, Kindern zu zeigen, dass sie von uns wertgeschätzt und geliebt werden. Auch ist es unwichtig, ob Sie das Buch von vorn bis hinten durchlesen oder bereits nach den ersten Seiten spannende Gespräche entstehen, die das Vorlesen unterbrechen. Verstehen Sie das Vorlesen als ein miteinander Spielen, was keinen eigentlichen Zweck erfüllen muss. Der Ausgang der Situation darf (muss aber nicht) offen bleiben.

Achtsam miteinander kommunizieren. Kinder kommunizieren mit uns, weil sie von uns Resonanz wollen. Es geht viel weniger um Informationsaustausch. Kinder fühlen sich geachtet, wertgeschätzt und geliebt, wenn wir es ihnen zeigen. Achtsamkeit in der Kommunikation ermöglicht, das Grundbedürfnis nach Nähe zu stillen.

Selbstbezüge herstellen. Wenn wir Bücher zum Vorlesen aussuchen, dann Bücher, die uns entsprechen. Sind wir authentisch in dem, was wir Kindern von uns zeigen, geben wir ihnen die Möglichkeit, wirklich etwas von und über uns zu lernen und an unserem Erleben teilzuhaben. Kinder selbst haben oft das Bedürfnis sich mit den Geschichten, die sie hören zu verbinden. Sätze wie „Meine Oma hat auch schon mal …“ sind gute Indikatoren, dass sie die Geschichten, die wir ihnen zeigen, zu ihren gemacht haben.

Alle Sinne einbeziehen. Ganz offensichtlich werden beim Vorlesen vor allem der Seh- und Hörsinn angesprochen. Beim Vorlesen entstehen innere Bilder. Noch intensiver lassen sich Geschichten wahrnehmen, wenn wir auch den Geruchs-, Geschmacks- und den taktilen Sinn einbeziehen. Wald und Wiese kann man aus Geschichten herausriechen. Weihnachtsplätzchen zergehen einem während des Lesens auf der Zunge. Mit Zeichen-Ratespielen auf dem Rücken oder der Handinnenfläche lassen Geschichten sich beim Vorlesen einverleiben. Wir spüren Geschichten dann auch körperlich.

Sich selbst entdecken. Beim Vorlesen können die eigenen Gedanken und Gefühle kennengelernt und mit denen der anderen abgeglichen werden. Nutzen Sie die Gelegenheit und sprechen Sie darüber. Was wollen Sie von Ihrem oder einem Kind und seiner Gedanken- und Gefühlswelt wirklich wissen.

Echte Fragen stellen. Kinder spüren, ob wir lediglich Fragen stellen, die wir eigentlich schon wissen oder ob wir ihnen echte Fragen stellen, wirklich etwas von ihnen wissen, sie ernsthaft kennenlernen wollen. Im ersten Fall machen wir uns Kinder zu Dienern, im zweiten zu Gefährten.

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